Innere Schwingung

29.10.2018

Die Sparkassenzentrale in der Schweriner Straße in Bielefeld ist eine weithin sichtbare Landmarke aus den neunzehnhundertsiebziger Jahren. 1977 nach den Plänen des Bielefelder Architekten Hellmut Streich als zeittypischer, horizontal gegliederter Betonbau mit massigen umlaufenden Laubengängen und Brüstungen errichtet, galt sie seinerzeit als städtebauliches Vorzeigeprojekt. Mit ihm erhielt der neue Stadtteil Sieker eine prägende „bauliche Dominante“, wie es zu Eröffnung hieß. Rund vierzig Jahre später entsprach der Bau jedoch vor allem im Innenraum nicht mehr den aktuellen Anforderungen an ein modernes Bankgebäude. Die Sparkasse beauftragte das Bielefelder Architekturbüro bhp brüchner-hüttemann pasch mit der umfassenden Neugestaltung der Eingangsfassade und des gesamten Eingangsbereichs sowie mit der Kernsanierung des Innenraums. Dies betraf die Bereiche Selbstbedienungskasse, Konferenzraum, Casino und Cafeteria.

Entstanden ist ein Innenraum mit einer vollkommen neuen Raumwirkung, der Kunden und Mitarbeitern eine einladende Atmosphäre mit hoher Aufenthaltsqualität bietet. bhp Architekten befördern das Interieur des Siebziger-Jahre-Baus mit einer klaren Zonierung und einem hellen Farb- und Materialkonzept ins 21. Jahrhundert. Eichenholz, Weiß als Grundfarbe für Decken, Wände und Einbauten sowie Akzente in Anthrazit und der Unternehmensfarbe Rot schaffen eine einladende Atmosphäre; großzügige Verglasungen zwischen den einzelnen Räumen sorgen für Transparenz und Weite. Dabei gliedern Großmöbel wie der Empfangstresen im Foyer oder Sitzinseln in Cafeteria und Casino den Raum und unterstützen eine intuitive Wegeführung, die durch Materialwechsel in Fußboden und Decke subtil vorgegeben wird.

Als Kontrast zur Orthogonalität des Altbaus setzen die Architekten auf eine fließende Linienführung, die in der Cafeteria ihren schwungvollen Höhepunkt erreicht: Dessen Wände sind nun mit einer Haut aus Eichenholzlamellen verkleidet, hinter der sich technische Elemente für Lüftung und Akustik verbergen. Kreisrunde rote Teppiche bilden Inseln für großzügige Sitzgruppen mit Occo-Stühlen von Wilkhahn (Design: jehs + laub), ihre Entsprechung finden sie in ringförmigen Pendelleuchten im Luftraum des weitläufigen Aufenthaltsraums. Der Schalenstuhl Occo mit seiner eleganten offenen Schale fügt sich perfekt in das beschwingte Ambiente ein. Die Architekten wählten ihn in Weiß und Anthrazit – jeweils mit hell- beziehungsweise dunkelgrauem Sitzpolster – auch für den Innenbereich des Casinos. Geliefert wurden die Möbel von pro office Lemgo/Bielefeld.

Den großen Konferenz- und Vortragssaal gestalteten sie als klares Rechteck. Hier kommen weiße Sito-Freischwinger von Wilkhahn zum Einsatz (Design: wiege), die sowohl einzeln als auch in Formation mit der Linienführung des Raums harmonisch korrespondieren. Anmutung und Sitzkomfort dieses Freischwingers werden durch einen konstruktiven Kunstgriff bestimmt: Ähnlich wie im Brückenbau werden die Kräfte des Untergestells über Stützstreben abgeleitet, so dass der Rohrquerschnitt reduziert und gleichzeitig die Federwirkung erhöht werden konnte. bhp Architekten setzten für den Saal eine Variante mit hellgrauem Sitzpolster ein, vereinzelte rote Bezüge verweisen jedoch auch hier dezent auf die Markenidentität des Bauherrn.

Zur Website der Architekten bhp brüchner-hüttemann pasch: www.bhp-architekten.de/

Zur Website von pro office Lemgo/Bielefeld

Mehr Informationen zum Schalenstuhl Occo (Design: jehs + laub):

Mehr Informationen zum Sito-Freischwinger (Design: wiege):